Legasthenie | Das sind die Ursachen

Immer wieder werde ich gefragt, was die Ursachen einer Legasthenie sind. Viele Eltern, Pädagogen, aber auch Außenstehende wollen wissen, ob es nur eine Ursache gibt, oder ob mehrere Faktoren eine Rolle spielen. In diesem Artikel erfahren Sie, was die Ursachenforschung zur Entstehung von Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) sagt.

Legasthenie hat genetische Ursachen

Es ist bestätigt, dass die Chromosomen 3, 6, 15 und 18 für die Entstehung von Legasthenie verantwortlich sind (Neurologen und Psychiater im Netz). Eine Legasthenie hat demnach genetische Ursachen. Allerdings gibt es auch Lese- und/oder Rechtschreibproblematiken, die nicht genetisch bedingt sind: Die Rede ist von der Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS), die aus einem Lerndefizit resultiert. Sie kann die Folge innerfamiliärer Schwierigkeiten, belastender Erlebnisse oder eines Lehrerwechsels sein.

Bestätigt: Legasthenie hat genetische Ursachen, LRS nicht.

Die Erblichkeit von bestimmen Phänomenen wird übrigens in Zwillingsstudien untersucht. Bei der Legasthenie liegt die Erblichkeit zwischen 60 und 70 % , was ein relativ hoher Wert ist. Einfach ausgedrückt bedeutet das: Wenn ein Elternteil Legastheniker ist, besteht für das Kind ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst legasthen zu sein. Noch höher ist die Wahrscheinlichkeit, eine Legasthenie zu entwickeln, wenn beide Elternteile Legastheniker sind (Neurologen und Psychiater im Netz).

Jede Legasthenie ist individuell

Die Auswirkungen dieser genetischen Anlage sind differente Wahrnehmungen im visuellen, auditiven oder räumlichen Bereich. Das klingt kompliziert – was ist vereinfach gesagt damit gemeint?

Legastheniker hören, sehen und empfinden ein bisschen anders.

Kopp-Duller

Legasthene Menschen empfinden, sehen und/oder hören ein bisschen anders als andere (Kopp-Duller). Außerdem lässt sich eine zeitweise Unaufmerksamkeit bei der Beschäftigung mit Buchstaben und/oder Zahlen beobachten.

In neueren Studien konnte außerdem belegt werden, dass legasthene Kinder häufig Auffälligkeiten bei der Blicksteuerung zeigen. Das heißt: Viele Kinder mit Legasthenie haben Schwierigkeiten, ihren Blick bewusst zu steuern. Genau das ist aber unerlässlich für das richtige Lesen und Schreiben (Schulerfolg.eu). In diesem Standard-Artikel können Sie mehr zum Thema „Blicksteuerung als Ursache von Lese-Rechtschreibproblemen“ erfahren.

Da jede Legasthenie individuell ist, wird entweder vom (Schul-)Psychologen oder Legasthenietrainer getestet, welche Funktionen beim jeweiligen Kind oder Jugendlichen betroffen sind (bei Erwachsenen wird die Testung nicht mehr durchgeführt). Dieses Vorgehen ist unerlässlich, um die Therapie zielgerichtet auf die Schwierigkeiten des Kindes auszulegen.

Für die Ursachen einer Legasthenie müssen die Funktionen getestet werden.
Beispiel für Legasthenie-Testung der Sinneswahrnehmungen (C) EÖDL

Umwelt: k(l)eine Ursache, große Wirkung

Obwohl die Genetik bestätigtermaßen die Ursache für eine Legasthenie ist, spielen Umweltfaktoren eine große Rolle für deren Ausprägung. Ein Aufwachsen von Kindern mit Büchern, die schulvorbereitende Frühförderung im Kindergarten sowie eine besondere schulische sowie außerschulische Förderung von legasthenen Kindern – beispielsweise im Rahmen eines Legasthenietrainings – kann dabei helfen, dass das Kind später seine Schwierigkeiten beim Lesen und/oder Schreiben überwindet.

Frühförderung und eine außerschulische Förderung helfen.

Wird die Legasthenie des Kindes allerdings nicht oder zu spät erkannt, drohen psychische Folgen. Diese können von depressiven Stimmungslagen und (leichten) Ängsten bis hin zur Schulangst und Schulverweigerung reichen. Aus diesem Grund wird es vom Dachverband für Legasthenie (EÖDL) als so wichtig erachtet, die Bevölkerung und insbesondere Pädagogen auf das Phänomen aufmerksam zu machen. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass legasthene Kindern früh genug Unterstützung erfahren!

Fazit: Genetische Ursachen und psychische Auswirkungen

Dass die Ursache einer Legasthenie in den Genen liegt, gilt heutzutage als bestätigt. Die Ausprägung des Phänomens ist allerdings durch die richtige Förderung in und außerhalb der Schule abzumildern. Hier gilt: je früher, desto besser! Psychische Folgen wie Schulangst, Depressionen und Angst können vermieden werden, wenn früh genug eine Austestung beim Psychologen oder Legsthenietrainer durchgeführt wird, der die individuelle Legasthenie des Kindes oder Jugendlichen festgestellt.

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Wenn Sie Fragen zum Thema haben oder weiterführende Informationen benötigen, schreiben Sie Ihr Anliegen gerne ins Kommentar oder melden sich telefonisch oder per E-Mail bei mir!

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